Mach’s ruhig weiter! Ich finde es eben noch schwer, sie richtig einzusetzen.
Ich hab das Thema gewählt, weil jemand mir nach vier Jahren in Deutschland erklärt hat, genau was „ruhig” eigentlich bedeutet (mit ruhiger Seele oder ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, für Nichtmuttersprachler). Ich dachte, es war etwas wie “ich sage niemandem, es bleibt unser kleines Geheimnis.” Aber denk mal an Situationen in denen man das sagt- ich glaube, ich hätte nie bemerkt, dass es falsch war. Ich hätte es aber bestimmt falsch benutzt 😅
Ich habe tiefen Respekt vor jedem, der Deutsch als Fremdsprache lernt. Diese Sprache ist komplett kaputt, mehr Regeln als Ausnahmen, und du brauchst m.M.n. Jahre, bis du genug “Sprachgefühl” (also, Intuition/Heuristik, wie wohl dieser Blödsinn hier konjugiert wird) hast.
Ich mache mein Master im DaF, damit ich Deutsch unterrichten kann (was ich auch schon während des Studiums mache). Du hast recht, dass man Jahre dafür braucht, welches natürlich zu Demotivation führen kann. Ich versuche, meine Studis zu beruhigen, aber man muss auch lernen, Fehler zu akzeptieren.
Ich habe das Glück, dass meine Muttersprache Englisch ist. Das hilft mit dem Sprachgefühl (das ist übrigens genau das richtige Fachwort dafür), da ich instinktiv wusste, dass es nicht “gesingt” sondern “gesungen” war, zum Beispiel. Dafür hatte ich wirklich Probleme, den Unterschied zwischen -e und -er zu hören und auszusprechen, aber das kann man einfacher trainieren.
Ich glaube, Deutsch wäre aber viel einfacher zu lernen, wenn wir es anders unterrichten würden. Es gibt zum Beispiel doch lockere Muster fürs Genus der Nomen*, aber sie sind kaum geforscht, weil Muttersprachler sie weder brauchen noch darauf aufpassen. Nichtmuttersprachler wiederum wissen meistens nicht, dass es solche gibt. Ich war schon im Master, bevor eine Lehrperson das zugegeben hat- vorher haben alle Deutschlehrer immer gesagt, dass es nur Muster für ein paar Suffixe gibt und alles sonst zufällig ist.
Ich wollte eigentlich solche Muster für meine Masterarbeit untersuchen, aber die AG hatte keine Interesse daran. Ich glaube, ich müsste aber ein bisschen fortgeschrittener sein, dem Thema gerecht zu werden, da es noch sehr nebelig ist.
zum Beispiel: Wörter, die auf Englisch und Deutsch mit -er enden, die aber nichts mit Verben zu tun haben, wie Finger, (Stufen-)Leiter, Butter, Schulter sind oft feminin. Stoffe sind meistens neutral, und diese Regel hat Vorrang vor der letzten- Leder ist also neutral. Stoffe die sehr konkret sind, wie Stein und Stahl sind wiederum maskulin. Ich würde das so gerne wirklich untersuchen, aber niemand findet es so interessant wie ich.
Als Muttersprachler hab ich auch nie drüber nachgedacht, insbesondere was dieses ganze Sprachgefühl angeht. Mir ist erst durch Freunde, die Deutsch lernen, aufgefallen, wie sehr der Deutschunterricht darauf abzielt, Leuten, die schon 95% der Sprache passiv aufgeschnappt haben, noch das letzte Stück beizubringen. Diese ganze Sprachgefühl-Sache ist für jemanden, der mit Deutsch aufgewachsen ist, natürlich total sinnig, weil man die richtige Wendung ja schon 1000 mal gehört hat. Für DaF natürlich kompletter Schwachsinn, woher sollen die Sprachgefühl für eine neue Sprache haben. Dafür hab ich deutsche Grammatik “formal” erst durch Lateinunterricht verstanden :D
Jetzt will ich es wissen: Hast du gute Resourcen zu DaF und wie man das am wissenschaftlich sinnvollsten beibringt?
Die habe ich, aber es hängt vom Ziel ab. Wenn man die ganzen Kleinigkeiten wirklich verstehen will, sind die Duden Grammatik und www.dwds.de nicht zu unterschätzen, aber dafür muss man Deutsch auf einem gewissen Niveau (~B2-C1) schon können. Um soweit zu kommen, sollte man möglichst viel Input*, Zeit solches zu bearbeiten, und durchdachte Korrektur (jeder falscher Artikel muss nicht korrigiert werden aber Fehler, die die Kommunikation verhindern sollten erklärt werden, solange die Situation das erlaubt) kriegen.
Kurz gesagt ist mein Rat auch nicht so eigenartig. Ich glaube wir legen den Fokus zu scharf auf Auswendiglernen, aber das ist eigentlich nur relevant, wenn man fehlerfrei kommunizieren will. Es ist eine Tatsache, dass viele Menschen kein perfektes, sondern ausreichendes Deutsch können wollen, und das ist okay.
*Inputquellen, die Lernmotivation erwecken können und die ich nie als Lernende in einem Deutschkurs gesehen habe: Rammstein (nicht wirklich meins, aber etwa ein drittel der deutschlernenden sind nach meiner Erfahrung durch Rammstein zu Deutsch gekommen); gemischtes Hack, oÄ; synchronisierte Serien, die man schon kennt; Tabletopspiele sowie MtG oder DnD; und moderne Jugendliteratur (ich war ein bisschen zu alt damals für die Percy Jackson Bücher auf Englisch, aber sie waren perfekt für mein Deutschniveau und noch interessant als Erwachsene - natürlich wäre etwas unübersetztes wie Tintenwelt noch besser)- dabei ist die Regel, dass man zwischen 2-5 Wörter pro Seite nachschlagen müssen sollte.
Hömma! Also ja, gell, das ist halt auch… doch ja schon.
Was wollte ich eigentlich sagen?
Mach’s ruhig weiter! Ich finde es eben noch schwer, sie richtig einzusetzen.
Ich hab das Thema gewählt, weil jemand mir nach vier Jahren in Deutschland erklärt hat, genau was „ruhig” eigentlich bedeutet (mit ruhiger Seele oder ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, für Nichtmuttersprachler). Ich dachte, es war etwas wie “ich sage niemandem, es bleibt unser kleines Geheimnis.” Aber denk mal an Situationen in denen man das sagt- ich glaube, ich hätte nie bemerkt, dass es falsch war. Ich hätte es aber bestimmt falsch benutzt 😅
Ich habe tiefen Respekt vor jedem, der Deutsch als Fremdsprache lernt. Diese Sprache ist komplett kaputt, mehr Regeln als Ausnahmen, und du brauchst m.M.n. Jahre, bis du genug “Sprachgefühl” (also, Intuition/Heuristik, wie wohl dieser Blödsinn hier konjugiert wird) hast.
Ich mache mein Master im DaF, damit ich Deutsch unterrichten kann (was ich auch schon während des Studiums mache). Du hast recht, dass man Jahre dafür braucht, welches natürlich zu Demotivation führen kann. Ich versuche, meine Studis zu beruhigen, aber man muss auch lernen, Fehler zu akzeptieren.
Ich habe das Glück, dass meine Muttersprache Englisch ist. Das hilft mit dem Sprachgefühl (das ist übrigens genau das richtige Fachwort dafür), da ich instinktiv wusste, dass es nicht “gesingt” sondern “gesungen” war, zum Beispiel. Dafür hatte ich wirklich Probleme, den Unterschied zwischen -e und -er zu hören und auszusprechen, aber das kann man einfacher trainieren.
Ich glaube, Deutsch wäre aber viel einfacher zu lernen, wenn wir es anders unterrichten würden. Es gibt zum Beispiel doch lockere Muster fürs Genus der Nomen*, aber sie sind kaum geforscht, weil Muttersprachler sie weder brauchen noch darauf aufpassen. Nichtmuttersprachler wiederum wissen meistens nicht, dass es solche gibt. Ich war schon im Master, bevor eine Lehrperson das zugegeben hat- vorher haben alle Deutschlehrer immer gesagt, dass es nur Muster für ein paar Suffixe gibt und alles sonst zufällig ist.
Ich wollte eigentlich solche Muster für meine Masterarbeit untersuchen, aber die AG hatte keine Interesse daran. Ich glaube, ich müsste aber ein bisschen fortgeschrittener sein, dem Thema gerecht zu werden, da es noch sehr nebelig ist.
Als Muttersprachler hab ich auch nie drüber nachgedacht, insbesondere was dieses ganze Sprachgefühl angeht. Mir ist erst durch Freunde, die Deutsch lernen, aufgefallen, wie sehr der Deutschunterricht darauf abzielt, Leuten, die schon 95% der Sprache passiv aufgeschnappt haben, noch das letzte Stück beizubringen. Diese ganze Sprachgefühl-Sache ist für jemanden, der mit Deutsch aufgewachsen ist, natürlich total sinnig, weil man die richtige Wendung ja schon 1000 mal gehört hat. Für DaF natürlich kompletter Schwachsinn, woher sollen die Sprachgefühl für eine neue Sprache haben. Dafür hab ich deutsche Grammatik “formal” erst durch Lateinunterricht verstanden :D
Jetzt will ich es wissen: Hast du gute Resourcen zu DaF und wie man das am wissenschaftlich sinnvollsten beibringt?
Die habe ich, aber es hängt vom Ziel ab. Wenn man die ganzen Kleinigkeiten wirklich verstehen will, sind die Duden Grammatik und www.dwds.de nicht zu unterschätzen, aber dafür muss man Deutsch auf einem gewissen Niveau (~B2-C1) schon können. Um soweit zu kommen, sollte man möglichst viel Input*, Zeit solches zu bearbeiten, und durchdachte Korrektur (jeder falscher Artikel muss nicht korrigiert werden aber Fehler, die die Kommunikation verhindern sollten erklärt werden, solange die Situation das erlaubt) kriegen.
Kurz gesagt ist mein Rat auch nicht so eigenartig. Ich glaube wir legen den Fokus zu scharf auf Auswendiglernen, aber das ist eigentlich nur relevant, wenn man fehlerfrei kommunizieren will. Es ist eine Tatsache, dass viele Menschen kein perfektes, sondern ausreichendes Deutsch können wollen, und das ist okay.
*Inputquellen, die Lernmotivation erwecken können und die ich nie als Lernende in einem Deutschkurs gesehen habe: Rammstein (nicht wirklich meins, aber etwa ein drittel der deutschlernenden sind nach meiner Erfahrung durch Rammstein zu Deutsch gekommen); gemischtes Hack, oÄ; synchronisierte Serien, die man schon kennt; Tabletopspiele sowie MtG oder DnD; und moderne Jugendliteratur (ich war ein bisschen zu alt damals für die Percy Jackson Bücher auf Englisch, aber sie waren perfekt für mein Deutschniveau und noch interessant als Erwachsene - natürlich wäre etwas unübersetztes wie Tintenwelt noch besser)- dabei ist die Regel, dass man zwischen 2-5 Wörter pro Seite nachschlagen müssen sollte.